Jeremy Corbyn und das Stichwort

Seine ersten Rede als Labour-Vorsitzender beendete Jeremy Corbyn mit:

“Together in peace, together in justice, together in humanity!” – Zusammen in Frieden, zusammen in Gerechtigkeit, zusammen in Menschlichkeit.

Großbritannien, wo einst das neoliberale Zeitalter in Europa begonnen hat, mit der Behauptung der „eisernen Lady“ Margaret Thatcher, dass es so etwas wie eine Gesellschaft gar nicht gibt und auch keine Alternative zur Zerstörung unserer sozialen Basis, dieses Land scheint aufzubrechen.

Die Gesellschaften Europas sind in einem Zeitalter dramatisch entsolidarisiert worden. In den Schulen, Universitäten, in der Arbeitswelt, in den Medien – und an den Rändern der Gesellschaft ohnehin – herrscht das „Jeder für sich“ eines allgemeinen Verdrängungskampfes aller gegen alle. Europa selbst erweist sich in diesen Monaten als nicht vielmehr als ein rein ökonomisch fundierter Wettbewerbsraum, in dem mittlerweile ganze Gesellschaften in einer allgemeinen Atmosphäre der Angst nach Rechts zu kippen beginnen.

Bereits die schottischen Sezessionsbemühungen – übrigens unterstützt von den schottischen, englischen und waliser Grünen – zeigten ein anderes Großbritannien, ein Land, das der stetigen Verschlechterung der eigenen Lebenschancen für immer mehr Menschen mit einem an der Londoner City orientierten Geschäftsmodell, der verheerenden Kriege, der neukonservativen Ideen- und Perspektivlosigkeit der Tories und New Labours überdrüssig geworden ist.

CorbynIn den ersten 24 Stunden nach Corbyns Wahl traten bereits um die 14.500 Menschen Labour bei. Es tritt etwas in Bewegung. Nicht nur in Großbritannien, in ganz Europa. Alexis Tspiras, der nach der Erpressung seiner Regierung durch Europas Finanzminister eben nicht aufgegeben hat, liegt in den Umfragen in Griechenland vorne. Auch er gewinnt damit die Zeit für uns, für uns alle in Europa, die nun einfach ergriffen werden muss. In Spanien nennt sich eine Bewegung: Podemos! – Wir können!

Ergriffen werden muss nun die Zeit für eine nun durch uns alle zusammenzufügende Bewegung zur Beendigung der Kriegsdesaster der Kriegsherren und zynischen Geostrategen, zur Rückeroberung unserer sozialen Basis – vom sozialen Wohnungsbau über die Bildung bis zur auskömmlichen Rente –, für einen demokratischen Neustart in Europa, für das Zurückholen unserer Gesellschaften von den herrschenden, unsere Demokratie und natürlichen Lebensgrundlagen zerstörenden ökonomischen Eliten.

Corbyn-ApartheidCorbyn – und nicht nur er – hat etwas begriffen, was in allen europäischen Parteien, die sich noch nicht der scheinbaren Alternativlosigkeit des neoliberalen Programms angedient haben oder weiterhin andienen wollen, jetzt begriffen werden muss: Es geht nur noch um Bewegung und Hoffnung.

Nur eine Bewegung, die den Menschen Hoffnung gibt, wird die Politik der Angst und damit das Desaster in Europa noch verhindern können. Die Reaktion – im ursprünglichen politischen Sinne des Wortes – auf Corbyns Sieg folgte prompt. Die Politik der Angst trägt nun keine Masken mehr:

„The Labour Party is now a threat to our national security, our economic security and your family’s security“ – David Cameron.

Er wird euer Leben gefährden, er wird euch arm machen, er wird eure Familien zerstören? Denken wir einmal genau darüber nach, wie viel Krieg und Verwüstung, wie viel Armut und wie viel soziale Kälte dieses Zeitalter, das Cameron und Blair nun so vehement zu verteidigen versuchen, eigentlich hervorgebracht hat.

Wir alle sind jetzt dazu aufgerufen, uns wieder unserer Verantwortung für unsere Gesellschaften zurückzuholen. Was wir jetzt tun können, ist, überall dort wo wir sind – an unserer Arbeitsstelle, in unseren Familien, in unseren Vereinen und Parteien, in Gewerkschaften, Schulen und Universitäten, in Bürgerinitiativen und Religionsgemeinschaften – uns die DEMOKRATIE und damit die Hoffnung auf ein besseres Leben zurückzuerobern: Tous et toutes ensemble! – Alle und alle zusammen!

Ach, ja: das Stichwort? Together!

 

Reaktion der britischen Grünen: Green Party responds to Labour leadership announcement

Antrag zur 39. Ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 20.11. – 22.11.2015 in Halle/Saale: Raus aus dem nationalen Schneckenhaus – die Partei strategisch neu aufstellen, Fenster und Türen öffnen!