Es liegt noch in unserer Macht

“Das liegt nicht in meiner Macht” (Angela Merkel, 7. Okt. 2015).

Selbstverständlich liegt es nicht in der Macht der Bundeskanzlerin, Flucht und Migration zu verhindern, aber, was läge eigentlich wirklich in ihrer Macht?

An einem einzigen Tag konnten wir mit den öffentlichen Auftritten zweier Frauen ein wenig in die nahe Zukunft Europas und in deren Mechanismen der Macht blicken.

Während die Vorsitzende des französischen Front National Marine Le Pen im Europaparlament die Bühne nutzte, um mit einer unzweideutigen nationalsozialistischen Gesinnung die Einheit Europas, die Grundrechte und die Demokratie anzugreifen, bestätigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend vor Millionen Deutschen im Fernsehen ihren Führungsanspruch in Deutschland und Europa.

Nach diesem 7. Oktober können wir uns so sicher sein, wie nie zuvor: die Wahlen 2017 in Frankreich und Deutschland werden für den Bestand der Europäischen Union und damit für den Frieden in Europa historische sein.

Das Beenden der Austeritätspolitik in Deutschland und deren Dominanz über Europa, ist unabdingbare Voraussetzung, um dem jetzt eingesetzten Druck von Rechts in Deutschland, ja, sogar der wiedergekehrten nationalsozialistischen Bedrohung in Europa überhaupt noch etwas entgegen setzen zu können.

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Jeremy Corbyn: Über das Soziale in der Demokratie

Das ist nicht mehr und nicht weniger als die Wiedergeburt der Sozialdemokratie als emanzipatorische Bewegung in Europa. Denn ohne die binnen kürzester Zeit Labour beigetretenen 160.000 Menschen, wären diese Worte nicht von Bedeutung und ohne diese Worte, hätten sich diese Menschen der neuen Bewegung nicht angeschlossen.

 

Auszug aus der Rede Jeremy Corbyns als neu gewählter Vorsitzender von Labour:
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Lasst uns diese angenehmere, sozialere Welt bauen.

In nahezu jeder menschlichen Gesellschaft seit Anbruch der Geschichte gab es einige Menschen, denen eine Menge gegeben wurde und noch viel mehr Menschen, denen wenig oder nichts gegeben wurde.

Einige Menschen besitzen Wohlstand und Macht, Rang und Kapital, Status und Einfluss, Dinge, die den Vielen aberkannt werden.

Und von Zeit zu Zeit erzählen die Menschen, denen eine Menge gegeben wird, den Vielen, sie sollten dankbar dafür sein, dass sie überhaupt etwas bekommen haben.

Sie sagen, dass die Welt nicht verändert werden kann und die Vielen die Bedingungen akzeptieren müssen, unter denen ihnen erlaubt wird, zu leben.

Heutzutage wird diese Haltung durch ökonomische Theorie gerechtfertigt.

Den Vielen mit wenig oder nichts wird erzählt, dass sie in einer globalen Wirtschaft leben, deren Bedingungen nicht verändert werden können.

Sie haben den ihnen vom Wettbewerb in den Märkten zugeteilten Platz zu akzeptieren.

Nebenbei, ist es nicht seltsam, dass Globalisierung immer niedrige Löhne für arme Leute bedeutet, aber damit sehr hohe Bezüge für Top-Manager gerechtfertigt werden.

Unsere Partei Labour wurde ins Leben gerufen, um diese Haltung zu bekämpfen.

Das ist es immer noch, worum es mit unserer Partei Labour eigentlich geht. Labour ist die Stimme, die den Vielen sagt, bei uns oder im Ausland: „Du musst das, was man dir aufzwingt, nicht hinnehmen.“

Labour sagt:

„Du magst arm geboren sein, aber du must nicht arm bleiben. Du musst nicht ohne Macht und Hoffnung leben.“

„Du musst deinen Fähigkeiten und Zielen selbst keine Grenzen setzen – oder denen deiner Kinder.“

„Du musst Vorurteile und Diskriminierung nicht hinnehmen, oder Krankheit und Armut, oder Zerstörung und Krieg.“

„Du musst dich für das Überleben in einer Welt, die andere geschaffen haben, nicht bedanken. Nein, du bestimmst die Bedingungen für die Leute, die Macht über dich ausüben und du schickst sie weg, wenn sie vor dir versagen.“

Darum geht es in einer Demokratie.

 

(Übersetzung: Robert Zion​)

 

Lasst uns Teil dieser Bewegung werden. Unterstützen wir Labour, in welchen Zusammenhängen wir auch immer politisch arbeiten: You don’t have to take what you’re given!

Corbyn

Jeremy Corbyn und das Stichwort

Seine ersten Rede als Labour-Vorsitzender beendete Jeremy Corbyn mit:

“Together in peace, together in justice, together in humanity!” – Zusammen in Frieden, zusammen in Gerechtigkeit, zusammen in Menschlichkeit.

Großbritannien, wo einst das neoliberale Zeitalter in Europa begonnen hat, mit der Behauptung der „eisernen Lady“ Margaret Thatcher, dass es so etwas wie eine Gesellschaft gar nicht gibt und auch keine Alternative zur Zerstörung unserer sozialen Basis, dieses Land scheint aufzubrechen.

Die Gesellschaften Europas sind in einem Zeitalter dramatisch entsolidarisiert worden. In den Schulen, Universitäten, in der Arbeitswelt, in den Medien – und an den Rändern der Gesellschaft ohnehin – herrscht das „Jeder für sich“ eines allgemeinen Verdrängungskampfes aller gegen alle. Europa selbst erweist sich in diesen Monaten als nicht vielmehr als ein rein ökonomisch fundierter Wettbewerbsraum, in dem mittlerweile ganze Gesellschaften in einer allgemeinen Atmosphäre der Angst nach Rechts zu kippen beginnen.

Bereits die schottischen Sezessionsbemühungen – übrigens unterstützt von den schottischen, englischen und waliser Grünen – zeigten ein anderes Großbritannien, ein Land, das der stetigen Verschlechterung der eigenen Lebenschancen für immer mehr Menschen mit einem an der Londoner City orientierten Geschäftsmodell, der verheerenden Kriege, der neukonservativen Ideen- und Perspektivlosigkeit der Tories und New Labours überdrüssig geworden ist.

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