Zum 13. November 2015

In dem Moment von Fassungslosigkeit, Trauer und Wut gilt es daran zu erinnern, dass überall auf der Welt Mörder und Verbrecher Mörder und Verbrecher sind, dass wir auf das Töten von Unschuldigen nicht mit dem Töten von Unschuldigen antworten dürfen, dass wir niemanden in Sippenhaft nehmen dürfen, dass wir unsere Rechtsordnung und unsere Freiheit, die angegriffen wurden, selber achten und leben, dass wir zwar gewaltige militärische Feuerkraft haben, dies aber nicht die Antwort auf den Terrorismus sein darf, dass wir solche Kriegserklärungen nicht annehmen und damit die Welt weiter ins Chaos stürzen dürfen.

Frieden-ParisIch hoffe inständig, dass wir in Europa nun anders reagieren als Bush jr., Rumsfeld et. al., dass wir verstehen, dass die Menschen, die nun zu uns fliehen, auch vor diesen Mörderbanden fliehen und vor den Folgen eines fehlgeleiteten „War on terror“. Der IS ist schlicht eine Bande von Mördern, Plünderern, Sklavenhändlern und Vergewaltigern, der islamistische Terrorismus bringt wahllos Menschen um, um Chaos und Angst zu erzeugen, am allermeisten in der arabischen Welt selbst.

Diese Terroristen gehören gefasst, vor Gericht und ins Gefängnis und nicht weitere Teile der arabischen Welt unter Bombenhagel und Drohnentötungsprogramme. Zivilisation ist nicht an eine Kultur oder eine Religion gebunden, sie ist überall auf der Welt in den ethischen Prinzipien des Friedens, der Würde, der Nächstenliebe und der Solidarität formuliert, in den religiösen Schriften, in den Philosophien, in den Gesetzen, in den mündlichen und schriftlichen Überlieferungen, im gesunden Menschenverstand der allermeisten Menschen auf der Welt.

Es ist noch nicht so lange her, da fielen nach dem 2. Weltkrieg mit Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Portugal die letzten europäischen Kolonialreiche. Heute ist erstmals in ihrer Geschichte die Menschheit global politisch erwacht. Und überall geht der Drang nach Lebensperspektiven, Hoffnung und vor allem Gerechtigkeit. Es ist Gerechtigkeit, an der es vorerst noch mangelt und diese ist es auch, die wir vor allem anstreben, erfüllen müssen.

Es gibt keine Rückkehr zum Eigenen, keine Abschottung mehr. Europa muss lernen, an einer gerechteren Welt zu bauen, statt sie zu beherrschen, sei es militärisch, ökonomisch oder kulturell. So schwer dieser Gedanke in diesem Augenblick auch fällt. Unsere Feinde sind nicht die Muslime, unsere Feinde sind die Antreiber und Profiteure des Terrors und des Krieges. Dies sollte die einzige Minderheit sein, die auf unseren Schutz nicht bauen darf.

Stellen wir uns dem Hass und der Gewalt entgegen, gemeinsam und überall. Meine Anteilnahme gilt den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden.

Robert Zion, 14. Nov. 2015